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Deutschland entdeckt sich neu

von Leopold Altenburg alias ROTE NASEN Clown LeoFinow

ROTE NASEN Clowns LeoFinow und Béta CatenineDie ROTE NASEN Clowns Béta Caténine und LeoFinow treten heute in der Senioreneinrichtung als französisch-österreichisches Duo auf, denn Béta ist Französin und ihr Partner LeoFinow Österreicher. Die beiden wollen das Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ mit Gitarre und Akkordeon umsetzen.

Erwartungsvoll beobachtet Frau Steinbeck, eine Bewohnerin der Einrichtung, die beiden Künstler.

Wir aben ein Lied vorbereitet. Es ischt ein deutsches Volkslied. So gut Deutsch kann isch nischt, aber isch gebe mein bestes.
Ja, machen Sie mal“, so Frau Steinbeck.
 
Oisdann, gemmas an“, gibt LeoFinow den Takt an.
Béta verharrt in ihrer Position.
Was ast du gesagt?
Das wir es angehen tu-hen“, erwidert der Österreicher.
 
„Isch kann ein bisschen Deutsch, aber Österreischisch werde isch jetzt nischt auch noch lernen.
„Es is a Unglück wann ana ned Deitsch vasteht.”
„So jetzt aber, legen Sie mal los“, unterbricht Frau Steinbeck den Disput der beiden Clowns.
Man merkt, dass sie Deutschlehrerin war und weiß wie man zwei Streithähne auseinanderbringt.

Na, das war doch großartig“, lobt sie die Clowns nach der ersten Strophe.
Und unser Akzent? No Problem?“, hört man Béta leise fragen.
Ach woher denn. Ich hab auf die Musik und den wunderbaren Text von Mathias Claudius gehört. Der Akzent macht doch eure Interpretation aus. So, und jetzt möchte ich ein französisches Chanson hören!

Hier ist Béta in ihrem Element und sie singt laut und feierlich „Oh, Champs Elysees“. Mit dem berühmten „Hobellied“ von Ferdinand Raimund, dem österreichischen Klassiker, verabschieden sich die beiden.
Frau Steinbeck ruft noch hinterher:
„Das nächste Mal singen wir auch die zweite und dritte Strophe von „Am Brunnen vor dem Tore.“

Ein persönliches Statement

ROTE NASEN ClownsIch bin einer von 22 Clowns in unserem Berliner Team von ROTE NASEN. Unsere Gruppe ist international besetzt. Wir haben Clowns aus Amerika, Australien, Jamaika, Türkei, Frankreich, Österreich und Deutschland – darunter sowohl ehemalige „Ossis“ als auch „Wessis“. Jeder Clowndarsteller hat seine eigenen Wurzeln, seine eigene Geschichte und ist geprägt von seinem Kulturkreis, in dem er aufgewachsen ist.

In unseren Clownfortbildungen treffen wir uns unter anderem zum Musizieren und studieren dabei auch deutsche Kinderlieder, Volkslieder, Schlager und Popsongs ein. Auch entdecken wir die deutsche Literatur neu und lernen kürzere oder auch mal längere Gedichte von Goethe, Schiller, Heine oder Morgenstern. Gleichzeitig haben wir aber auch Lust bekannte amerikanische Folk-, Blues und Countrysongs oder einen jamaikanischen Reggae, einen türkischen Rap, einen österreichischen Jodler auszuprobieren. Zwischendurch kann sich auch mal alles komplett vermischen – Stil, Rhythmus, Musik, Instrumente, Sprachen, das Leben.

Altbekannte Lieder, die Freude bereiten

Diese Lieder holen wir nun bei den Senioren aus unserem Clownkoffer hervor. Wir treffen auf Menschen im Alter von 70 bis 100 oder sogar darüber hinaus. Viele dieser Menschen haben als Kinder den Krieg miterlebt. Sie kennen zum Teil Vertreibung, Hunger und auch eine lange entbehrungsreiche Flucht. Alle kennen die tödliche Bedrohung und Gewalt, die von anderen Menschen ausgehen kann. Trotz dieser schlimmen Erfahrungen haben sie es geschafft, ein neues Leben mit Familie und Beruf aufzubauen. Viele Lieder und Gedichte, die sie in ihrer Kindheit und Jugend gehört und gesungen haben, können sie heute noch auswendig. Diese Lieder sind ihre Wurzeln, ihre Kultur. Die Freude ist groß, wenn wir diese Stücke in der Senioreneinrichtung präsentieren, auch wenn sich der eine oder andere Akzent ungewöhnlich anhört.

Neue (Lebens-) Geschichten aus aller Welt

In den Krankenhäusern und in den Unterkünften für Geflüchtete treffen wir nun auf Kinder und ihre Eltern – aus Syrien, Afghanistan, Kasachstan oder der Ukraine. Sie alle kennen wie die Bewohner in der Senioreneinrichtung den Albtraum und die Sinnlosigkeit des Krieges. Und sie alle bringen ihre Geschichten, ihre Kultur und ihre Religion mit, die ihnen Hoffnung und den Mut zum Weiterleben geben. Und da der Mensch neugierig ist, fragt er sich:
Was für Menschen leben hier in diesem Land, das mich aufgenommen hat?
Was für eine Kultur haben sie und wie kann man sich begegnen?

Aktuell wird viel über die “Angst vor dem Verlust der eigenen Kultur und Identität” diskutiert. Aber welche meinen wir eigentlich? Immerhin leben wir in einer globalisierten Welt. Wir alle nutzen für unsere Einrichtung das schwedische Möbelhaus, die Kartoffeln- und Gurkengrößen sind genormt, und wir feiern Halloween, das noch bis vor zehn Jahren eher im anglofonen Raum zu finden war.

Ist es nicht eher so, dass das Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Kulturen neue Chancen ermöglicht? Nämlich die, die eigene Kultur mit- und neu zu entdecken und den eigenen Horizont dadurch zu erweitern.