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Rotnasige Freude – auch im Kinderhospiz

Am 10. Februar ist Tag der Kinderhospizarbeit. Eine Arbeit, die auch für ROTE NASEN sehr wichtig ist. Seit 10 Jahren besuchen Clown Friedl, Stefanello und Kollegen jeden Freitag das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin. Clowns im Kinderhospiz? Ja, gerade dort. Denn Kinder sollen immer Kind sein dürfen –auch dann, wenn ihr Leben durch eine schwere Krankheit verkürzt ist. Über die beglückende Arbeit der Clowns erzählt Claudia Artl. Die Heilerziehungspflegerin gestaltet seit zehn Jahren die Tage der Kinder und Jugendlichen im Sonnenhof.

 

Clowns im Kinderhospiz

“Die Clowns sorgen für Abwechslung im Alltag. Die Kinder hier – unsere Gäste – haben durch die vielen Medikamente, die sie zu bestimmten Zeiten nehmen müssen und die Therapien einen sehr durchstrukturierten Tagesablauf. Die Clowns sorgen jeden Freitag dafür, dass aus dem Alltag etwas Besonderes wird. Oft freuen sich die Kinder schon Tage vorher auf den Freitag.

Auch wir Mitarbeiter in der Pflege profitieren von den Besuchen der Clowns. Zwischenzeitlich kann es bei uns ziemlich stressig zugehen. Die Clowns jedoch bleiben immer in ihren Rollen, sind immer lustig oder auch sanft. Wir als Mitarbeiter kommen gar nicht darum herum, uns in unserem Verhalten anzupassen und uns auf die Clowns einzulassen. Das führt dazu, dass wir aus unserem Stress ‘heraustreten’ und uns erden können. Uns wird dann bewusst: Hey, es sind noch zehn andere Kinder im Hospiz, auch wenn wir Stress haben bedeutet das nicht, dass das ganze Haus so wuselig sein muss. Dadurch, dass seit zehn Jahren ein festes Team an Clowns zu uns kommt, kennen wir uns gut. Es ist viel mehr als nur die eine Stunde Freitags, sondern die Clownvisiten haben Auswirkungen, die längerfristig wirken.

Wir erleben mit, was die Clowns bei den Kindern und ihren Eltern bewirken

Zurzeit wohnt ein kleines, dreiviertel Jahre altes Mädchen bei uns, das voll beatmet werden muss und bis auf wenige Lidbewegungen keinerlei Reaktionen zeigt. Für seine Mama ist das schwer zu ertragen. Vor allem, wenn sie im Haus Kinder sieht, die sich noch bewegen und kommunizieren können. Eines Tages traten die Clowns beim Frühstück an den Kinderwagen heran, in dem das Mädchen lag. Seine Mutter saß daneben. Sie begannen ganz leise und sanft ‘you are my sunshine’ zu singen. Auf einmal riss das Kind die Augen auf und fing an, die Hand und den gesamten Arm zu bewegen. Zum ersten Mal! Für die Mama des Mädchens ein Grund zur Hoffnung und ein kleiner, aber wichtiger Moment der Normalität: ‘Mein Kind kann das, was andere Kinder auch können!’ Wer weiß, vielleicht hat in diesem Moment das Lied das kleine Mädchen aufgeweckt und angeregt?

Clowns im Kinderhospiz

Für die Eltern sind die Clowns oft ein Glücksfall. Wer sie einmal mit den Kindern erlebt und ein positives Gefühl hat, fragt immer wieder nach ihnen. Die Clowns haben oft tolle Ideen. Einmal veranstalteten sie für einen kleinen Jungen – ich weiß nicht mehr, ob er türkischer oder arabischer Herkunft war – und seine Familie einen türkischen Nachmittag. Sie hatten kleine Fläschchen mit Düften dabei und haben auf ihren Ukulelen Musik gemacht, die türkisch klang. Die Clowns dachten sich ein Zauberlied in einer wie türkisch klingenden Fantasiesprache aus. Die gesamte Familie fand das unheimlich lustig. Sie lachten Tränen und bewunderten dabei, was die Clowns mit wenigen Mitteln machen können. Ein befreiendes Lachen für die Eltern und die Geschwisterkinder! Auch die Geschwister fingen nun an, sich lustige Laute auszudenken. Als schließlich meine Kollegen dazukamen, war es eine riesige türkische Party. Ab diesem Tag hieß es bei den Eltern: Die Clowns sollen jeden Freitag kommen!

Auch bei uns geht es um das Leben

Wir müssen lachen! Grundsätzlich steht auch bei uns das Positive im Vordergrund, obwohl es natürlich die traurigen Momente gibt. Auch die fassen die Clowns auf. Doch liegen auf den einzelnen Stationen ja mehrere Kinder. Wenn eines verstirbt müssen wir Pfleger für die anderen doch positiv wirken. Dabei helfen uns die Clowns. Sie bringen auch in schweren Zeiten ein Stück Normalität ins Haus.

Sie schaffen es, sich auf jedes Kind ganz individuell einzustellen. Manchmal berühren sie die Kinder ganz zart mit einer Feder, manchmal sprechen sie in Flüstersprache, manchmal singen sie laut. Sie haben grundsätzlich ein großes Feingefühl, auch für die Mitarbeiter oder dafür, wann es manchmal nicht angebracht ist, in ein Zimmer hineinzugehen.

Die Clowns wirken nach. Das sehen wir bei den Eltern, die ein Kind verloren haben und die durch unseren Familientreff noch an den Sonnenhof angebunden sind. Wenn sie einem der Clowns begegnen, kommen positive Gefühle hoch. Sie können mit den Clowns und den Pflegern über das Kind sprechen – das ist wie ein kleiner Anker, der an positiven Erinnerungen festhält.”

Über ihre Arbeit im Kinderhospiz berichten die ROTE NASEN Künstler Laura Erceg-Simon, Stefan Palm und Florentine Schara: