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Kinderlachen kennt keine Grenzen – Interview mit Tarek Zboun

Klinikclowns im Westjordanland

 

Tarek Zboun ist studierter Theaterwissenschaftler, Mitbegründer und künstlerischer Leiter von RED NOSES Palestine. Im Rahmen der internationalen ROTE NASEN Clownconvention hatte er die Möglichkeit, nach Deutschland zu reisen. Dort sprachen wir mit ihm.

 

Seit wann gibt es RED NOSES Palestine und wo besucht ihr kranke Kinder?

Ich selbst lebe in Bethlehem. Die Clowns von Red Noses Palestine spielen im gesamtem Westjordanland. Wir haben 2010 ganz klein angefangen mit zwei Clowns in zwei Krankenhäusern. Heute arbeiten bei uns 19 ROTE NASEN Clowns aus allen größeren Städten des Westjordanlands. Wir sind in Jenin, Nablus, Bethlehem, Ramallah, Jerusalem, Hebron und Tulkarem – sieben Städte mit insgesamt neun Krankenhäusern. Wir besuchen die Kliniken regelmäßig ein bis zwei Mal pro Woche.

Kannst du mir die Situation in den Krankenhäusern beschreiben?

Es ist ganz wichtig, dass wir als Clowns die Krankenhäuser besuchen. Wir sagen immer: Inmitten der Dunkelheit zünden wir ein kleines Licht an. Kinder im Krankenhaus haben oft Angst, sie sind gestresst und traurig. Wir begeben uns in diese Situation, um die Atmosphäre zu verändern. Wir bringen das Gute, das Positive in die Krankenzimmer. Damit sind wir Teil des Gesundheitswesens, denn wir unterstützen den Genesungsprozess. Unsere Clownvisiten sind gut für alle: für die Ärzte, Schwestern, für die Eltern und Kinder und auch für ältere Menschen. Denn wir haben zwei Programme: eines richtet sich an Kinder, das andere an Senioren, die im Krankenhaus sind.

Tarek Zboun Foto: GregorZielke

Tarek Zboun – Klinikclown aus dem Westjordanland

Unsere Situation lässt sich kurz folgendermaßen umreißen: Wir leben im Westjordanland mit all seinen Konflikten und Problemen und den Kindern, die nicht wirklich Kind sein können. Viele der Kinder hier haben schon viel Schlimmes gesehen und die Probleme, die es bei uns gibt, hautnah miterlebt. Sie haben keine Freiräume und Möglichkeiten – und plötzlich kommen wir Clowns. Die erste Reaktion der Kinder ist immer ein positives Staunen: “Wow!” Es war eine große Herausforderung, die Kunst des Clowns ins Westjordanland zu bringen und den Leuten zu zeigen, dass Clowns professionelle Künstler sind, die Veränderungen herbeiführen können. Wir können Kinder und ältere Menschen von der Krankheit ablenken. Eventuell reagieren sie zuerst verständnislos und wundern sich: Was ist das? Aber immerhin haben sie einen Moment nicht an ihre Krankheit gedacht. Wir gehen immer weg, wenn die Stimmung am positivsten ist.

Manche Kinder werden an dem Tag, an dem wir das Krankenhaus besuchen, entlassen und könnten um zehn Uhr morgens gehen. Doch sie bleiben bis zur Clownvisite und gehen erst, nachdem sie uns noch einmal gesehen haben. Denn das Krankenhaus ist mittlerweile für die Kinder nicht nur ein Ort, wo sie operiert werden und Spritzen bekommen. Es ist auch ein Ort, an dem sie Spaß haben, wo sie lachen und spielen können. Sogar die Ärzte warten heute schon auf uns Clowns. Denn sie wissen, dass wir ihnen helfen können. Einmal kam einer der bekanntesten Ärzte auf uns zu und sagte: “Ihr Clowns seid Teil unseres medizinischen Teams, denn ihr macht die Kinder stark und fördert daher ihre Heilung.”

Das Westjordanland ist in drei Zonen unterteilt, die jeweils unter palästinensischer bzw. israelischer Verwaltung oder Kontrolle stehen und durch Checkpoints voneinander getrennt sind. Die Kinder, die ihr besucht, können nicht so einfach verreisen und ihre Zone verlassen. Wie wichtig sind Fantasiereisen für eure Arbeit?

Für die Kinder hier im Westjordanland gibt es keine Reisefreiheit – sie können nicht so einfach weg. Das beziehen wir in unsere Geschichten mit ein. So können wir uns auf unseren Fantasiereisen überall hin bewegen. Beispielsweise spielen zwei Clowns, dass sie von Palästina nach Jordanien reisen möchten. Das ist eigentlich ein kurzer Weg, der jedoch durch den komplizierten Grenzübergang oftmals Probleme bereitet. Wir Clowns können aber auf clowneske, lustige Art sehr wohl “reisen”. So können wir mithilfe unserer Fantasie an jeden Ort der Welt gelangen. Man kann sich vorstellen: Wenn es schon so kompliziert ist, in das Nachbarland Jordanien zu gelangen, dann ist eine Reise nach Deutschland eine riesengroße Sache für uns Clowns. Wir spielen zum Beispiel, dass wir ganz aufgeregt sind, weil wir das das erste Mal mit dem Flugzeug fliegen.

Wir versuchen, Bilder von Dingen zu erzeugen, die die Kinder aus dem Westjordanland nicht kennen. Denn sie können nicht nach Gaza reisen und auch nicht so einfach nach Jerusalem, Orte, die räumlich ganz nah sind. Wir Clowns erzeugen Bilder der Welt da draußen. Ich war und bin in der glücklichen Lage, zu reisen und nach Deutschland kommen zu können. Und deswegen kann ich als Clown Geschichten vom Reisen erzählen, denn ich weiß wie das Leben da draußen aussieht. Die Kinder wissen das nicht. Sie müssen mit den Checkpoints leben. Sie leben in einer schwierigen Region.

Lachen hilft Heilen

Eine Begegnung, die Hoffnung macht: Lachen mit den Clowns von RED NOSES Palestine

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