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Von Spritzen, die zu Mondraketen werden

ROTE NASEN Clown Emma Dilemma

Clownvisite auf der Kinderonkologie

Juliane Altenburg alias Clown Emma-Dilemma ist eine gestandene ROTE NASE. Seit 2004 bringt sie Freude zu großen und kleinen Menschen. Doch eine Clownvisite ist niemals Routine. Sie geht zu Herzen – so wie bei Emma-Dilemmas heutigem Besuch in der Kinderonkologie der Charité.

Wie hast Du Dich vor der Visite gefühlt?

Die Gedanken an die Clownvisite fangen schon morgens beim Aufstehen an. Ich habe überlegt: was möchte ich heute als Clown erforschen? Was könnte für die Kinder spannend sein? Wir hatten letztens einen Puppenworkshop und so hatte ich Lust, gemeinsam mit meiner Partnerin Nina Pawlowna  die Puppen tanzen zu lassen. Wir wollten schauen, was für Puppen oder Kuscheltiere die Kinder haben und diese lebendig werden zu lassen. Mein Zirkuskuschelhund Fluffipuff besucht auch sehr gerne die Kinder und ist gerade bei kleinen Kindern eine schöne Brücke zu uns Clowns. Spannend ist es auch, medizinische Objekte aus dem Klinikalltag zu animieren und in etwas anderes zu verwandeln. Eine Spritze verliert  ihren Schrecken, wenn sie sich in eine Mondrakete verwandelt und so zum Spielzeug wird. Wenn ich merke, da habe ich Lust zu und bin neugierig, was passiert,  dann überträgt sich diese Freude  auch auf die Kinder.

Machst Du Dir vorher Gedanken darüber, wie es den Kindern geht?

Ja, bei der Übergabe, wenn die Schwester uns von den Kindern berichtet. Wenn wir zum Beispiel hören, dass ein Kind ein Rezidiv, also einen Rückfall hat. Seine Eltern sind da und sie haben eben erfahren, dass der Krebs wieder da ist. Das ist schon ein Schock. Ich denke in solchen Momenten öfter: Oh Gott, wie soll ich bloß in das Zimmer reingehen? Aber sobald ich die Nase aufsetze  und das Kostüm anhabe, bin ich Emma-Dilemma, die sehr offen und unbekümmert ist. Oftmals können wir Clowns in diesem Moment die Details der Krankheitsgeschichte ausblenden. Das ist sogar ganz wichtig. Denn wenn wir das alles im Kopf hätten, könnten wir in manche Zimmer gar nicht reingehen. Denn sonst kommt der Gedanke: Die können doch jetzt keine Clowns gebrauchen! Aber wenn unser Besuch erwünscht ist und wir das Zimmer betreten gelingt es oft, auch in schwere Zimmer einen Moment der Leichtigkeit zu bringen. Manchmal teilen  wir auch die Traurigkeit, sind einfach für die Menschen da.

Emma-Dilemma und Stefanello bringen seelischen Trost

Wie reagieren die Eltern auf dich als Clown?

Krebs, das ist natürlich eine langwierige, furchtbare Sache. In den Gesichtern der Eltern sehen wir mal Hoffnung, mal Verzweiflung. Diese Gefühlsachterbahn hält man kaum aus. Wenn die Eltern in Sorge sind und weinen, weil sie wieder eine beunruhigende Nachricht erhalten haben,  dann spürt das Kind natürlich die Ängste seiner Eltern. Deswegen sind wir auch für die Eltern da. Denn wenn sich die Eltern entspannen und lachen und so kurz die Sorgen loslassen können, überträgt sich das auf das Kind. Umgekehrt ist es so, dass die Eltern einen Moment der Leichtigkeit erleben wenn sie sehen, dass ihr Kind lacht. 

Wir sind aber auch für die Geschwisterkinder  da und das finde ich ganz wichtig. Die Geschwister leiden oft im Stillen mit. Sie machen sich Sorgen und sind durch die Krankheit des Bruders oder der Schwester oft sehr belastet. Die ganze Familie ist  mit dem kranken Kind beschäftigt, daher ist es so wichtig, dass auch diese Kinder gesehen werden und dass wir  ihnen  unsere Aufmerksamkeit schenken. Dass sie einfach mal mit uns Quatsch machen , einfach mal wieder für ein Weilchen unbeschwert Kind sein können.

Welche Visite ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Heute  fand ich besonders schön unser Erlebnis im  Zimmer mit der 13-jährigen Valeria. Sie hat im Zuge ihrer Krebsbehandlung keine Haare mehr und muss nach der Stammzellentransplantation im Zimmer bleiben, hat aber eigentlich ganz normale Teenager-Interessen. Wir haben den Raum betreten  und  Nina Pawlowna  und mir ist aufgefallen, dass sie Bilder mit ganz kräftigen, bunten Farben an den Wänden hatte, mit sehr viel Türkis, ihrer Lieblingsfarbe. Wir haben angefangen, Malen zu spielen und dabei die medizinischen Utensilien in Malsachen verwandelt. Ein Pappschälchen zum Beispiel war die Farbpalette und eine Zahnbürste ohne Borsten, die eigentlich dem Reinigen der Zunge dient, der Pinsel.  Wir sind zu Valeria gegangen und sie hat sofort mit ihrem Pinsel ohne Borsten mitgespielt: „Jetzt nehme ich gelb!“ Sie hat den Pinsel in das leere Pappschälchen eingetaucht und eine große, gelbe Sonne mit einem grünen lachenden Gesicht  gemalt. Dabei streifte Valeria die Hand von Nina Pawlowna, die plötzlich sagte: „Oh, jetzt habe ich grüne Fingernägel! Oh, Nagellack“. Valeria hat ihr sämtliche Nägel grün angemalt und meine in Fantasiebunt. Sie erzählte uns, dass sie Nagellack liebt und zu Hause einen ganzen Schrank davon hat. Doch momentan darf sie ihn aufgrund der strengen Hygienebestimmungen nicht benutzen, denn Hände mit lackierten Nägeln lassen sich nur schwer desinfizieren. Wir haben Valeria ermöglicht, in der Fantasie das zu machen, was sie so liebt. Das fand ich schön.

Du hast selber zwei Töchter. Nimmst Du die Erlebnisse in der Onkologie mit nach Hause?

Manchmal, wenn ich nach Hause radle und an die Kinder auf der Onkologie denke, kommt mir der Gedanke:  es kann jeden treffen, auch meine Kinder. Da kommt auf jeden Fall so eine Muttersorge hoch. Ich sehe in der Onkologie sehr gebündelt wahnsinnig viele Schicksale und dann wächst in meinem Inneren die Sorge. Es ist sehr gut, dass wir Supervision bekommen, um das zu verarbeiten.

Durch meine Arbeit als Clownin erfahre  ich, wie kostbar das Leben und die Gesundheit sind. Meine Ängste sind nicht unberechtigt, aber man darf sich davon nicht leiten lassen. Ich genieße jeden Tag mit den Kindern und freue mich jeden Tag darüber, dass sie so fröhlich und gesund sind.

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ROTE NASEN Clowns bei krebskranken Kindern

Freude und Leichtigkeit für kranke Kinder und ihre Eltern