Auch Clowns müssen lernen

18.Juli 2019
  • Sonstiges

RED NOSES International "Family Meeting" 2019 in der Slowakei

Wie jedes Jahr versammelten sich auch im Sommer 2019 mehr als 150 ROTE NASEN Künstler aus 11 Ländern, um gemeinsam ein Fortbildungstraining zu absolvieren. Es war wieder einmal bunt und lustig, diesmal in den slowakischen Bergen. So eine geballte Clown-Power erlebt man selten! Auch für Klinikclowns ist der Austausch von Erfahrungen und Praktiken mit Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel aus Palästina, der Slowakei oder Deutschland, sehr wichtig. Alle haben ein gemeinsames Ziel: mit Hilfe von Humor Freude und Hoffnung zu schenken!

Ein Gruppen Bild mit allen Künstlern und Workshop leitern vor einem risen roten Luftballon auf einer Wiese
(c) Cerveny Nos Clowndoctors

Clownerie ist ein Handwerk, das trainiert werden muss

Unter dem Motto „Family Meeting“ fokussierten sich die Workshops im diesjährigen RED NOSES International Summer Camp auf das künstlerische Handwerk: Die Künstler konnten Kurse beispielsweise in Jonglage, Puppenspiel, Ukulele oder Improvisation besuchen.

Workshop: "Plötzlich alt"

Neben Kinderstationen der Krankenhäuser besuchen viele ROTE NASEN Künstler weltweit auch Pflegeeinrichtungen für Seniorinnen und Senioren. Die Arbeit in der Geriatrie bringt neue Herausforderungen mit sich. In einem der Workshops des internationalen Treffens in der Slowakei wurden die Teilnehmer auf die Probe gestellt. Plötzlich erlebten sie den Alltag der Senioren hautnah: Augenklappen, spezielle Brillen, geräuschhemmende Kopfhörer und Gewichte verhalfen dazu, typische körperliche Anzeichen und Gebrechen von Krankheiten, wie Alzheimer oder Rheuma, zu imitieren, wie die Trainerin im Workshop erläuterte. Mit diesen Einschränkungen mussten sie den Alltag bewältigen, so wie es ältere Menschen auch tun. Neben Musikhören, Mittagessen und einem Spaziergang erlebten sie auch eine Clownvisite.

„Die Clowns erfahren so, dass kleine Details eine große Wirkung auslösen und die Laune eines älteren Menschen vollkommen verändern können. Oft ist es hilfreich, wenn man eine Berührung vorher ankündigt, um denjenigen zu beruhigen und ihm ein Gefühl von Sicherheit zu geben.“ so Eva Okoličániová, die Koordinatorin des Programms “Smiech nepozná vek” (deutsch: „Lachen kennt kein Alter“) der slowakischen CERVENY NOS Clowndoctors, die den Workshop leitete.

Tief berührende Erlebnisse

Vor allem für die Künstler, die noch nie eine Visite in einer Senioreneinrichtung gemacht haben, öffnete dieser Workshop neue Perspektiven. Beispielsweise war diese Erfahrung für die palästinensische Künstlerin Amani Abu Elroub alias Clown Lahze (deutsch: Moment) der Einstieg dafür, auch in geriatrischen Einrichtungen zu spielen.

 „Während des Workshops hatte ich gemischte Gefühle. Es war sehr emotional, in der Haut der Senioren zu stecken. Ich war plötzlich für zweieinhalb Stunden erblindet. Versuchte zu laufen, zu essen, zu kommunizieren und fühlte mich so, wie sie sich fühlen… Es war sehr anstrengend, ich fühlte mich müde und benommen… und brauchte schnell eine Pause. Dann dachte ich darüber nach, dass wir eine Pause machen können, im Gegensatz zu ihnen, die jeden Tag unter den erschwerten Umständen leben müssen. Plötzlich kamen mir Tränen in die Augen. Nach dem Workshop war ich sowohl physisch als auch emotional so abgeschlagen und müde, dass ich mich ausruhen musste“, erzählte die Künstlerin.

"Jede Spielsituation ist für uns als Künstler eine andere"

ROTE NASEN Deutschland haben schon viele Erfahrungen in der Geriatrie sammeln können. Maria Gundolf, die stellvertretende künstlerische Leiterin und Clown Brischitt, weiß, wie wichtig solche Workshops für die Künstler sind:

„Jede Spielsituation ist für uns als Künstler eine andere und gerade während der Arbeit mit Senioren in Pflegeeinrichtungen ist ein hohes Maß an Achtsamkeit und Empathie notwendig. Dafür sind solche Workshops für uns als Künstler wichtig. Sie bringen uns näher an die Realität, in der wir uns als Clowns befinden. Auf diese Art und Weise kann man sich besser in die entsprechende Situation einfühlen. Erst nachdem man selbst am eigenen Körper erfahren hat, wie es sich anfühlt, nicht hören oder nicht sehen zu können, hat man mehr Verständnis für die Lage, in der sich die Senioren befinden.”