Wenn das Bein lächelt und der Arm weint - wie ROTE NASEN mit Mund-Nasen-Schutz spielen

02.Oktober 2020
  • Kinder
  • Senioren

Spiel mit Maske

„Anfangs habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie es sein wird, wenn wir wieder in den Einrichtungen spielen können. Ich habe mich gefragt, wie der Mundschutz bei den Kindern ankommt. Werden sie plötzlich Angst vor uns Clowns haben, weil sie die Maske zu sehr mit dem Alltag im Krankenhaus in Verbindung setzen?“ Sorgen, die Florentine Schara beschäftigten.

Als ROTE NASEN Clown Perdita Poppers besucht sie Kinder im Krankenhaus. Wie ihre Clownkolleginnen und – kollegen darf sie wieder alle Berliner und Brandenburger Kliniken betreten, in denen ROTE NASEN auf Clownvisite gehen. Dabei folgen die Besuche dem an Covid-19 angepassten Hygienekonzept, das ROTE NASEN eigens entwickelt hat. Wichtige Punkte: das Tragen eines Mund-Nasenschutzes und die Einhaltung des Mindestabstandes.

Wie aber lassen sich Gefühle übermitteln, wenn der Mundschutz einen großen Teil des Gesichts verdeckt? Können unsere Beziehungskünstler trotzdem Kontakt zu den kranken Kindern herstellen? „Diese Sorgen wurden mir mit der ersten Visite genommen“, berichtet Florentine Schara weiter. „Die Kinder haben uns so wie immer wahrgenommen. Die Freude war genauso groß und der Mundschutz vergessen. Und ich habe erlebt, wie uns das Pflegepersonal herzlich empfangen hat. Das nahm mir die restliche Unsicherheit.“

ein weiblicher Klinikclown zeigt einem klienne Mädchen im Krankenbett eine kleine Dose
(c) Gregor Zielke

Vor Covid-19 besuchte Florentine Schara alias Clown Perdita Poppers Kinder mit Mund-Nasen-Schutz nur dann, wenn es auf der Station spezielle Hygienevorschriften gab.

Die Maske als Einschränkung? Von wegen!

„Der Mund-Nasen-Schutz ist mit Sicherheit eine notwendige Einschränkung, mit der wir im Alltag zu kämpfen haben. Unsere Aufgabe ist es, trotz dieser begrenzenden Maßnahme innerlich frei zu bleiben und Geschichten zu erzählen“, erklärt Reinhard Horstkotte, künstlerischer Leiter von ROTE NASEN Deutschland e.V. „Darin sehe ich die Kunst des Clowns. Unsere Mission ist es, die Verbundenheit mit den kranken Kindern und Pflegebedürftigen trotz Mundschutz und Abstand zum Ausdruck zu bringen.“

Positive Gefühle trotz eingeschränkter Mimik und mit Mindestabstand zu erzeugen – das lernten die Clowns im September 2020 im Workshop ‚Spiel mit Maske‘. „Der Workshop diente dazu, die Hygienevorgaben zu nutzen, um etwas Neues zu erschaffen. Denn für den Clown ist der gesamte Körper Mittel zur Kommunikation. Ein Lächeln ist nicht nur das Anheben der Mundwinkel, sondern vielmehr ein innerer Impuls. Alle unsere Clowns sind ausgebildete Künstler und als solche wissen sie, wie der Körper ‚spricht‘ und Gefühle ausdrücken kann: Das Bein kann lächeln und der Arm weinen“, so Reinhard Horstkotte. Der Mundschutz stand im Workshop bei verschiedenen Übungen im Mittelpunkt. In einer davon übernahm er sogar im wahrsten Sinne die Führung: Wie ein kleines neugieriges Tier, das seine Umgebung erkundet, zog er die Künstler durch den Raum. Aus solch einem Perspektivwechsel kann etwas ganz Neues entstehen. Auch für Florentine Schara alias Perdita Poppers: „Seitdem spiele ich bewusst mit dem Mundschutz. Ich male mir mit einem Lippenstift einen großen Mund auf die Maske, der größer ist als mein eigener. Das wird von den Kindern und älteren Menschen immer positiv belächelt. Und so ist der Mundschutz zum Teil meines Kostüms geworden.“

Fantasie überwindet Abstand - und ist magisch

Clowns und Kinder lassen sich von vermeintlichen Beschränkungen nicht unterkriegen, zumal wenn sie – wie im Zusammenhang mit Covid-19 – notwendig und richtig sind. „Eine Situation im Krankenhaus, die mit den einschränkenden Maßnahmen zusammenhängt, hat mich besonders beeindruckt: Mein Clownkollege Jojo und ich waren in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und trafen auf eine Gruppe von drei- bis vierjährigen Kindern. Die Kinder wollten unbedingt Luftballons von uns bekommen! Doch aufgrund von Corona dürfen wir keine Requisiten verteilen. Da hatte Jojo die Idee, unsichtbare Luftballons zu basteln. Wir pusteten also mit einer echten Pumpe bunte unsichtbare Luftballons auf und verteilten sie. Die Kinder sind sofort, ohne etwas zu hinterfragen, auf das Spiel eingestiegen. Gemeinsam haben wir die unsichtbaren Luftballons an den Fingern platzen lassen, die Kinder haben an ihnen gezogen. Es war so, als ob die Luftballons in der Tat physisch vorhanden waren. Das war ein tolles Erlebnis. So einfach kann man eine vermeintliche Einschränkung positiv besetzen. Da reicht nur eine gute Vorstellungskraft von uns selbst, aber auch von dem Gegenüber.“