Zum Weltkindertag: Clowns für Geschwister schwerstkranker Kinder im Kinderhospiz Sonnenhof

20.September 2021
  • Kinder

Jeden Freitagnachmittag besuchen ROTE NASEN Clowns das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin, und das seit 13 Jahren. Das Kinderhospiz unterstützt Familien ab Diagnosestellung des lebensverkürzend erkrankten Kindes, über den Krankheitsverlauf und über den Tod des Kindes hinaus. Denn wenn ein Kind schwer erkrankt, ist immer die gesamte Familie betroffen. Deswegen kümmern sich im Kinderhospiz Sonnenhof die Pädagogen- und Pflegeteams um die Geschwisterkinder. Auch für ROTE NASEN war die Arbeit mit Geschwisterkindern von Anfang an Teil der Clownvisite. Stefan Palm alias ROTE NASEN Clown Stefanello machte einem von ihnen ein ganz besonderes Geschenk: Pantomimeunterricht für den 16 jährigen Aleko*.

Aleko und Stefan Palm in der Rolle des Pantomimen.

Gefühle mit dem Körper ausdrücken

Alekos Bruder ist ein Jahr jünger und an einem Hirntumor erkrankt. Aufgrund der Erkrankung des Jungen ist die Familie zur Behandlung aus Georgien nach Deutschland gekommen. Nun liegt Alekos Bruder im Sterben. Den ganzen Tag sitzen Mutter, Vater und Aleko im Zimmer mit den drei extra aufgestellten Betten, wo sie auch übernachten. Mutter und Vater haben große Angst und sind sehr traurig. Alekos Hauptbeschäftigung ist sein Handy. Nur selten verlässt er das Zimmer und seinen Bruder. Während der ROTE NASEN Clownvisite lernte Stefan Palm alias Stefanello den Jugendlichen kennen. "Ich wollte ihm eine Stunde Aufmerksamkeit schenken. Dass er mal etwas Anderes mitbekommt als das Leid. Er sollte eine andere Welt mitbekommen und merken, dass es mehr gibt als die Krankheit seines Bruders." Stefan Palm alias ROTE NASEN Clown Stefanello ist ausgebildeter Pantomime. Die Körperkunst gibt ihm die Möglichkeit, auch ohne Worte zu kommunizieren. Das war wichtig, denn Aleko spricht kein Deutsch – und Stefan Palm kein Georgisch. Doch die Pantomimetechnik 'Wand abtasten' oder den Raum mit einem imaginären Besen zu fegen, geht in der Sprache des Körpers. Und Aleko zeigt große Begabung als Darsteller – etwas, was niemand bei dem in sich gekehrten Jugendlichen vermutet hätte.

Spielen hilft, Gefühle auszudrücken. Etwas, das dem verschlossenen, leisen Aleko sonst schwerfällt. Während des Pantomimeunterrichts laufen Stefanello und Aleko verschiedene Gefühlsregungen ausdrückend durch den Raum – mal fröhlich, mal traurig – und erzählen mit Gesicht, Händen und Armen kleine Geschichten. "Der Junge ist aufgeblüht wie eine Blume. Es war so berührend! Er konnte plötzlich Gefühle zeigen! Die Mutter hat sich halb totgelacht und plötzlich geweint. Normalerweise zeigt sie auch keine Gefühle. Da kam ganz viel hoch."

Zwei Klinikclowns stehen mit Heilerzieherpflegerin im Kinderhospiz

Heilerziehungspflegerin Claudia Artl (mittig) ist Fan von ROTE NASEN.

Am wichtigsten ist die Spielfreude

Heilerziehungspflegerin Claudia Artl kennt Aleko und seine Situation gut. Sie weiß, wie wichtig die ROTE NASEN Künstler:innen auch für die Geschwisterkinder und die gesamte Familie sind. „Wo bei unserem Team der Fokus auf Ablenkung und Trauerarbeit liegt, machen die Clowns das ganz automatisch. Im Spiel können Dinge verarbeitet werden – mit Leichtigkeit und ohne dass die Kinder oder Jugendlichen das Gefühl haben, etwas machen zu müssen.“ Auch auf Aleko wirkte sich die Clownvisite positiv aus: "Stefanello hat ein künstlerisches Werkzeug gefunden, mit dem er Aleko abholen konnte. Er hat es damit geschafft, dass Aleko ins Handeln kommt."

"You are a great mime" – verabschiedet sich Stefan Palm von Aleko. "You are a great teacher!" bedankt sich der junge Mann. Was konnte Aleko mitnehmen? Stefan Palm weiß: "Eine Stunde Spielfreude und vor allem: Das Entdecken der eigenen Kraft."

*Name geändert