Ein Porträt von dem Clown Filou

Filou

Reinhard Horstkotte
Mitgründer von ROTE NASEN
Für mich ist der Clown ein Sinnbild des Menschlichen – der Ambivalenz, dass man auf der einen Seite ein ganz normales Leben führt und auf der anderen Seite in einer ganz anderen Welt ist, in einer Welt von Phantasie, Sehnsucht und Poesie.

Das bin ich

Filou ist ein Spring-ins-Feld. Quirlig freut er sich über jede Begegnung, schon bevor sie stattgefunden hat. Manchmal freut er sich auf etwas, ohne dass er weiß, auf was er sich eigentlich freuen soll. Wie ein Grashüpfer springt er von Stern zu Stern. Man fragt sich: War das eine Sternschnuppe, ein Komet oder eben einfach ein Eichhörnchen? Aber doch hinterläßt er immer den gewissen Sternenstaub, und du bist berührt, weißt aber nicht, woher – denn Filou ist schon über alle Berge.

Ausbildung

  • Akrobatikausbildung in Berlin
  • Clownausbildung an der Accademia Teatro Dimitri, Schweiz
  • Red Noses International Zertifizierung als Klinikclown

Besondere Begegnung

Ich ging in ein Zimmer, in dem ein ca. 8-jähriger Junge mit starker Mukoviszidose lag. Das ist eine Stoffwechsel-Erkrankung, bei der sich viel Schleim im Körper bildet und man droht zu ersticken.

Die Psychologin sagte mir vorher noch, dass der Junge wohl bald sterben würde. Das hat mich – bewusst oder auch unbewusst – sehr befangen gemacht. Nicht nur das Wissen, dass er bald sterben wird, sondern auch zu sehen, wie sehr der Junge litt.

Er lag ganz dünn und schwach in seinem Bett. Die Mutter war bei ihm. Man merkte: Zwischen den beiden war eine Spannung. Denn auf der einen Seite war da eine Mutter, die ihren Sohn loslassen musste, weil er sterben würde. Auf der einen Seite lebte er noch und war ein Junge wie jeder andere.

Ich begann mit dem Clownspiel, doch es geschah nichts. Nur Schweigen. Irgendwann nahm ich einen banalen Luftballon und wollte ihn aufpusten. Da sah ich, dass sich die Mutter im Spiel die Ohren zuhielt.

Ich sagte zu dem Jungen: „Oh, jetzt können wir ja über deine Mutter sprechen, das ist ja gut“.
Weil ich wusste, dass die Mutter mit ihrem Sohn im Zimmer schlief, fragte ich ihn: „Schnarcht die im Schlaf?“ Da kicherte er. Dann fragte ich: „Pupst sie viel?“

Dann ging das Lachen los und er lachte und lachte. Das Eis war gebrochen, die Tür war sozusagen offen und ich konnte dann mit ihm eine gute Zeit haben.