Die Clownfigur

Maria Genial und Margarita
(c) Gregor Zielke

Wer ist der Clown?

Der Clown lebt im Augenblick, er spielt mit dem Hier und Jetzt. Mit Leichtigkeit, Offenheit und Mut begegnet er dem, was gerade vor ihm liegt, steht und vor allem passiert. Sein offenes Herz und ein hohes Maß an Empathie lassen den Clown aufmerksam, liebevoll und respektvoll auf die entsprechende Situation reagieren. Als Kind der Freiheit sagt er immer „JA“ zum Leben, zur Freude, aber auch zum Kummer.

Der Clown ist menschlich in allen Facetten des alltäglichen Lebens, auch im Scheitern. Für ihn ist Scheitern keine Katastrophe, er scheitert oft, doch dann steht er auf und geht weiter. Er blickt nicht zurück, stellt seine Fehler nicht in Frage, schaut nur nach vorne. Er gibt Hoffnung, weil er strauchelt und fällt, wieder aufsteht und weiter geht, den Blick nach vorne, auf die Stärken und das Positive gerichtet. Der Clown hat viele Fragen und keine Antworten in einer Welt, die immer weniger Klarheit bietet. Das lässt ihn aber nicht verzweifeln und schwach werden. Im Gegenteil – er forscht weiter mit offenem Herzen und stärkt sich durch die Beziehung zu dem, was ihn umgibt und begleitet.

Der Clown nimmt Menschen und Dinge, wie sie sind, ohne sie zu bewerten. Er bezieht seine Kraft aus einem Archetyp, der jenseits von Gut und Böse steht und genau das ist menschlich. Das verleiht ihm Naivität und Offenheit, erlaubt ihm Grenzen zu überschreiten und Tabus anzusprechen. Indem er seine Umwelt annimmt statt sie zu verurteilen, stellt er ständig Konventionen und Hierarchien in Frage und stellt sie liebevoll auf den Kopf. Sein Handeln ist stets unkalkulierbar, er hat keinen Auftrag und Absichten. Er ist einfach nur da, um für Andere da zu sein. 

Unser künstlerische Leiter Reinhard Horstkotte spricht über die Arbeit von ROTE NASEN Clowns:

„Alles ist wichtig, Nichts ist ernst“

„Im Krankenhaus oder einer Pflegeinrichtung kommt alles zusammen: Menschen aus den verschiedensten Schichten, Kulturen, Religionen, mit den verschiedensten Lebensweisen, Meinungen, Ansichten. Sie alle treffen sich hier und eines wird ihnen an diesem Ort bewusst: Sie (so wie wir alle) sind auf die Hilfe anderer angewiesen. In diese Situation kommen die Clowns hinein: Mit ihren Kunststücken, ihren Liedern, ihren Geschichten, ihrer ganz individuellen Virtuosität bringen sie die Leute zum Lachen, Schmunzeln und Staunen.

Die Clowns schenken den Menschen Momente, in denen diese erfahren, dass es noch etwas anderes gibt, als das was sie gerade erleben. Das Wichtigste aber ist, dass die Clowns die Patienten, die Bewohner und Mitarbeiter erinnern. Sie erinnern sie daran, dass es möglich ist mit der Schönheit und Freude des Lebens verbunden zu sein; unabhängig von Ruhm, Reichtum oder Alter, ja sogar unabhängig von der Gesundheit. Dies können die Clowns aber nur deshalb tun, weil sie den Ort in sich kennen, wo sie mit dem puren Leben verbunden sind. Die Schranken und Schutzmechanismen, die sie vom lebendig sein trennen, zu überwinden verlangt von den Clowns eine ganz besondere Art von Geschicklichkeit. Bestimmte „Muskeln“ müssen durch innere Arbeit trainiert sein. Kinder und alte Menschen spüren nämlich gleich, wenn wir authentisch sind. Und wie Augustinus sagte: In Dir selbst muss brennen was Du in anderen entzünden willst.“

(c) Markus Pletz

Drei wichtigste Dimensionen der Clownfigur

Eine starke Clownfigur besitzt die Fähigkeit, andere zu unterhalten, Gefühle aus dem Nichts zu erwecken, eine Stimmung aufzugreifen und sie mit Hilfe seiner artistischen, musikalischen oder schauspielerischen Fertigkeiten zu verwandeln.

Der Clown ist ein reifer Mensch mit der Fähigkeit, Mitgefühl und Empathie zu entwickeln. Er kann sich ganz in das Gegenüber hineinversetzen und ihr oder ihm somit die Erfahrung einer lebendigen Beziehung ermöglichen.

Der Clown hat die innere Haltung eines Kindes, ausgestattet mit viel Fantasie, immer den Moment neu zu entdecken, Räume zu verwandeln und damit den Blick auf das Mögliche im Unmöglichen zu richten.