07.Februar 2020

“Vielleicht bin ich an meinem Geburtstag im Krankenhaus” - Siennas Geschichte

“Mein kleiner Bruder Matteo ist vier Jahre jünger als ich. Manchmal spielen wir im Garten zusammen Fußball. Aber er muss aufpassen: Er darf nicht so kräftig und hoch schießen. Ich habe einen Zugang im Bauch und wenn er mit dem Ball daran kommt, tut das weh.”

Sienna ist fast elf Jahre alt und kommt aus der Nähe von Berlin. Seit Frühjahr 2018 wird sie in der Charité behandelt. Bei Infekten oder einer besonders schweren Chemotherapie stationär, ansonsten in der Tagesklinik. Bald hat sie Geburtstag. Ihr größter Wunsch: Eine Einhorntorte.

“Ich habe AML, akute myeloische Leukämie. Das sind so kleine Punkte im Blut. Die sind böse und die sind so lila umhüllt. Und ich bekomme Chemotherapie, damit die weggehen. Wenn ich zu Hause bin treffe ich mich am liebsten mit Freunden, spiele Handball, tanze oder spiele mit Pino. Pino ist mein Hund, ein Mops. Er hat ganz viel abgenommen, so wie ich. Jetzt muss er wieder zunehmen. Auch so wie ich. Aber bei mir geht das schwerer als bei Pino. Pino könnte man den ganzen Tag lang Essen hinstellen und der würde alles essen. Dann wiegt er schon wieder mehr. Bei mir geht das nicht so schnell. Aber ich habe 100 Gramm zugenommen. Gestern habe ich 27,8 Kilo gewogen und heute schon 27,9. Mein Lieblingsessen ist Eierkuchen, Spargel, Fischstäbchen, Kartoffelpüree, und dann noch Spinat. Heute möchte ich aber Gnocchis essen.

Die Patientin Sienna sitzt im Rollstuhl und lächelt in die Kamera.Enlarge photo Enlarge photo
(c)Gregor Zielke/ ROTE NASEN Deutschland e.V. & Charité - Universitätsmedizin Berlin

In der Tagesklinik. Weil Sienna von der Chemotherapie geschwächt ist, sitzt sie im Rollstuhl.

Ein Kind wird von einem Arzt abgehorcht.Enlarge photo Enlarge photo
(c)Gregor Zielke/ ROTE NASEN Deutschland e.V. & Charité - Universitätsmedizin Berlin

Der Arzt horcht Siennas Lunge ab.

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Wie die meisten Zehnjährigen mag Sienna coole Turnschuhe.

Siennas Chemotherapier-Zugang wird von einer Pflegekraft gesäubert.Enlarge photo Enlarge photo
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Säuberung des Ports, des Zugangs für die Chemotherapie.

Sienna liegt in einem Krankenbett, neben ihr ist ein Schrank gefüllt mit MedikamentenEnlarge photo Enlarge photo
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Warten auf die Untersuchung der Blutwerte, die täglich kontrolliert werden.

Sienna steht auf dem Balkon vor der Klinik und schaut ins Grüne.Enlarge photo Enlarge photo
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Zu meinem elften Geburtstag wünsche ich mir das Buch ‘der magische Blumenladen Band 8’, eine Meerjungfrauendecke, Parfüm und eine Lightbox. Und einen Lipgloss-Truck, das ist ein großer Wagen, mit dem man selber Lipgloss machen kann. Und eine Slime-Factory, zum selber Schleim machen. Dann hatte ich mir ein Spiel gewünscht, aber das war ganz schön teuer, weil es das nur im Internetkaufhaus gibt. Papa hat das aus der Wunschliste rausgemacht. Mama hat es irgendwo anders gefunden, aber da kann man nicht auf ‘bestellen’ klicken.

Sienna macht ein Foto von ihrem Hund. Enlarge photo Enlarge photo
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Wenn Sienna keinen Infekt hat, darf sie nach Hause. Hier fotografiert sie ihren Hund Pino.

Sienna und ihre Mutter bereiten Essen in ihrer Küche vor. Enlarge photo Enlarge photo
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Sienna und ihre Mama Patrizia machen Eis selber.

Sinne blickt durch ein Fenster nach draußen.Enlarge photo Enlarge photo
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Das Paket nimmt Mutter Patrizia an. Sienna darf aufgrund von Infektionsgefahr nicht shoppen gehen, deshalb bestellt die Familie online.

Ich weiß noch nicht, ob ich an meinem Geburtstag im Krankenhaus bin oder zu Hause. Aber ich wünsche mir auf jeden Fall eine Einhorntorte, auch wenn ich hier bin. Wenn ich zu Hause bin bauen Mama und Papa immer die Geschenke auf dem Tisch und auf dem Boden auf. Und dann komme ich runter und alle singen Happy Birthday. Ich möchte schon vorher runter, aber Papa hält mich auf. Weil ich so früh aufwache. Aber dann sagt Mama: ‘Nein, warte noch, warte noch’, weil sie noch alle Kerzen anzünden muss. Und dann geht eine aus und dann sagt sie: ‘Nein, stopp noch mal kurz.’ Und dann zündet sie sie wieder an. Und dann pusten wir alle zusammen die Kerzen aus und dann kommen Oma und Opa. Aber wenn wir im Krankenhaus sind, machen wir das auch so. Nur ohne Kerzen. Aber mit Oma und Opa. Und dann bekomme ich eine Mutperle für meine Perlenkette, weil ich an meinem Geburtstag im Krankenhaus bin. Mit einem Smiley.”

 

Fotos: Gregor Zielke Text: Annika Seiffert

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