Die Ruheoase-to-go in der Tagesklinik
Unsere stellvertretende Künstlerische Leiterin Maria Gundolf hat eine zusätzliche Rolle in unserem Team. Sie ist nämlich auch als Clown Brischitt für ROTE NASEN unterwegs und war an dem vergangenen sonnigen Montag so von einer Visite berührt, dass sie diese Story in unserer Bürorunde mit uns geteilt hat…
„Am Montag war ich als ROTE NASEN Clown Brischitt in der Tagesklinik Onkologie unterwegs. Das ist eine Station, auf der Kinder ambulant behandelt werden. Wie der Name schon sagt, liegt dort niemand länger. Entweder werden sie untersucht oder sie sind zum ersten Mal da. Manche müssen dann häufiger kommen. Daher sind die Kinder dem Personal häufiger bekannt und teilweise kennen wir sie auch, weil wir sie mehrmals treffen.
Da die Behandlung nicht stationär ist, bewegen wir uns anders durch die Klinik, was für eine andere Atmosphäre sorgt als bei den Visiten, die ich sonst mache. Die Kinder liegen nicht alle im Zimmer und die Zimmerbelegung wechselt ständig, sodass man sehr spontan und flexibel bleiben muss. Meistens sind wir im Flur und im Wartebereich. Dann geht man einfach durch und flaniert und trifft die Kinder immer mal wieder. Manchmal kommen sie auch mit.
An diesem Tag habe ich allein gespielt. So könnte ich mehr auf den Austausch mit einzelnen Personen eingehen, statt den Fokus auf das Spiel zu setzen, wie manchmal der Fall ist, wenn man zu zweit spielt. Da es dort immer sehr trubelig und lebendig ist, dachte ich, dass ich den Menschen dort eine Pause schenken könnte. Pausen tun gut und Ausruhen ist wichtig.
Ich hatte ja auch meinen kleinen, ausklappbaren Liegestuhl dabei. Eigentlich ist er dafür gedacht, dass man ein Handy oder Schlüssel reinlegen kann, aber ich verwende ihn immer wieder als kleine Ruheoase-to-go. Wenn ich ihn sehe, erinnere ich mich daran, dass es Sommer ist, dass ich auch mal Pause machen darf und dass es gesund und wichtig ist. Und so dachte ich, dass ich meine kleine Ruheoase-to-go heute mit den Menschen in der Tagesklinik teilen würde, die sicherlich eine Pause gebrauchen könnten.
In dieser Tagesklinik gibt es eine Krankenpflegerin, die ich inzwischen gut kenne und die den ROTE NASEN Clowns sehr zugetan ist. Sie spielt immer gerne mit uns. Als ich die Klinik betrat, begrüßte ich sie und fragte sie, wie es ihr an diesem heißen Sommertag geht. Da sagte sie tatsächlich, dass heute wirklich Heckmeck ist, sie die ganze Zeit zu tun hat und denkt, dass sie gleich vor meinen Augen auf dem Boden zerschmelzen würde. Selbstverständlich habe ich sie sofort gefragt, ob sie nicht meine Ruheoase ausprobieren möchte. Ich habe ihr erklärt, dass es eine Oase-to-go ist, in der man alles Mögliche hineinlegen und sich ausruhen kann. Sie fand das großartig und hat erst eine Hand, dann die andere Hand, dann ein Ohr und schließlich das andere Ohr auf dieser kleinen Liegestuhl ausgeruht.
„Die sind ja die Teile, die sehr viel zu tun haben. Ich muss hier sehr viel zuhören.“
Hat sie mir erklärt.
„Aber jetzt, jetzt fühle ich mich total entspannt. Und wunderbar!“
Dieses Spiel hat mich dann durch die Visite getragen. Denjenigen, die ich getroffen habe, habe ich angeboten, alles Mögliche auszuruhen. Mal habe ich Haare ausruhen lassen, immer wieder Hände ausruhen lassen (weil sie so viel zu tun haben) oder auch mal ein kleines Spielzeugauto, das gerade ein Rennen gewonnen hatte. Einmal musste auch ein Handy ausruhen.
Es gab einen Jugendlichen, der in einer Ecke des Wartebereichs saß und immer wieder zu mir schaute. Seine Mama saß bei ihm, aber sie hatten während der gesamten Visite nichts gesagt. Heute war viel los in der Klinik und alle hatten sich so gefreut, sich etwas in meiner Ruheoase auszuruhen, dass ich das Gefühl hatte, dass die beiden bestimmt auch etwas ausruhen wollten. Also bin ich zu den beiden rübergegangen und habe den Jungen gefragt, ob er nicht auch seine Haare ausruhen wolle. Er antwortete, er wolle nicht seine Haare, sondern seine Gedanken ausruhen. Er wusste aber nicht, ob das ginge. Ich meinte, dass ich mir ganz sicher war, dass wir das hinbekommen würden. Also habe ich seine und die Gedanken seiner Mutter gesammelt und sie in meinem Liegestuhl entsorgt. Danach waren sie beide wieder ganz frei im Kopf.
So war die Visite zu Ende und ich war beeindruckt, wie erleichtert und dankbar alle über meinen kleinen Sommerstuhl waren. Ich müsste über das gängige Bild vom Sommer am Strand mit Margaritas, wie man es aus Filmen und Werbung kennt, nachdenken. Man ist weit weg vom Alltag und von der Arbeit und erst dann darf man sich ausruhen.
‚Es ist bewundernswert‘,
dachte ich. Wir assoziieren den Sommer mit Ausruhen, Urlaub und Entspannung, vergessen dabei aber, wie wichtig es ist, sich immer mal wieder eine kleine Pause zu gönnen. Und so habe ich mich sehr über diese kleinen Momente der Auszeit gefreut, die ich mit meiner Liege als Symbol einer kleinen Pause machen könnte.“


