06.Oktober 2026

Ein Anruf um die ganze Welt

ROTE NASEN Clowns besuchen regelmäßig die Wachkomastation der Pflegeeinrichtung Pro Seniore in Berlin. Während einer dieser Visiten erfuhren zwei Künstler:innen, Mathew Burton (ⴕ)* und Laura Erceg-Simon eine tragische Geschichte während der Übergabe vor ihrer Visite: 

Die Station hat einen neuen Patienten aufgenommen. Der junge Syrer ist erst Ende 20 und das ist für diese Station sehr ungewöhnlich, weil dort hauptsächlich nur ältere Menschen betreut werden. Der junge Mann ist damals aufgrund des Syrienkriegs geflohen und hat es nach Berlin geschafft. Er war jahrelang auf der Flucht, ohne seine Familie. Er hat aber Freunde in Deutschland, auch aus Syrien. Da es an einem Tag sehr warm war, sind sie gemeinsam schwimmen gegangen. Er machte einen Köpper ins Wasser, kam mit dem Kopf am Boden an und ist seitdem querschnittsgelähmt. 

Wie wird so ein junger Mann, auf Clowns reagieren?

Die zwei ROTE NASEN Clowns Friedl und Bemoll traten in sein Zimmer herein. Er war von Anfang an sehr offen, ein freudvoller junger Mann mit einem offenen Lächeln. Friedl und Bemoll haben mit den zwei arabischen Worten (er konnte kein Deutsch), die sie kannten, herumgespielt. Das fand er richtig lustig. Sie haben sofort einen Draht zueinander gefunden und er hat ihnen mehr und mehr arabische Wörter beigebracht. Er hat sich immer beömmelt, weil sie sie nie richtig ausgesprochen haben und nicht so schnell gelernt haben, wie er es ihnen beibringen wollte. Bemoll versprach ihm: „Ok, bis zum nächsten Mal lerne ich dann mehr Arabisch.“ 

Beim nächsten Besuch hat er gemeinsam mit den Clowns ein Lied erfunden, mit vielen neuen arabischen Worten, die er ihnen beigebracht hatte. Beim dritten Besuch sahen die Clowns, dass er sein Handy vor sich hat: „Oh, er telefoniert gerade. Mit Videotelefonat. Da wollen wir mal lieber nicht stören.“ Doch der er entgegnete: „Nee, nee alles gut." Und drehte das Handy zu den Clown und zeigte ihnen seine kleine Schwester auf dem Bildschirm, die am anderen Ende der Welt lebt, nämlich in Damaskus in Syrien.

Friedl und Bemoll haben dann über das Telefon für seine 8-jährige Schwester nach Damaskus ein Lied gespielt. Sein Wunsch war, dass sie auf arabisch singen, aber das konnten sie natürlich nicht. Also hatten sie eine andere Idee: „Du singst zu ihr und wir begleiten dich.“ Und da fing der junge Mann an zu singen und die Clowns begleiteten ihn. „Ich liebe dich, du bist die beste“ war der Text. Die kleine Schwester war von dem Ständchen begeistert und strahlte von einem zum anderen Ohr. Plötzlich hörten die Clowns einen Applaus hinter sich. Da standen drei glückliche Pfleger, die sich über das Konzert und über die Leistung des neuen Patienten sehr gefreut haben. Ein magischer Moment, bei dem die Clowns in Deutschland mit einem Syrer ein Lied der Liebe nach Damaskus senden konnten.

*Diese Geschichte hat uns der verstorbene Künstler Mathew Burton, der viele Jahre für ROTE NASEN als Clown im Einsatz war, hinterlassen und so lebt er in unseren Erinnerungen weiter. 

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