05.Mai 2026

Zum Tag der Pflegenden: Interview mit Krankenschwester Beatrice Baars.

Beatrice Baars ist stellvertretende Stationsleitung der Kinderonkologie der Charité und arbeitet seit 2005 als Krankenschwester auf dieser Station. 2014 kamen die ROTE NASEN Clowns erstmals auf die Station und verbreiten seitdem jeden Montag Lachen und Leichtigkeit in den oft herausfordernden Klinikalltag. Für Beatrice Baars steht fest: Humor ist die beste Medizin.

Wie würdest du die emotionale Situation von den Kindern und ihren Angehörigen im Krankenhaus beschreiben?


Kinder sind das Wertvollste für Eltern – ganz ohne Frage. Wenn Kind und Eltern dann im Krankenhaus sind, ist es eine Ausnahmesituation. Und wenn dann diese kleinen Wesen krank sind, bedeutet das vor allem für die Angehörigen eine enorme emotionale Belastung. Man muss sich vorstellen: Die Eltern geben dir das Liebste in die Hand und vertrauen es dir an. Sie setzen ihr Vertrauen in die Medizin, in deine Versorgung, in die Hoffnung, dass das, was ihnen am wichtigsten ist, wieder gesund wird. Sie haben die größten Sorgen und versuchen trotzdem für ihr Kind stark zu sein. 

Welche Rolle spielen aus deiner Erfahrung Emotionen wie Angst und Stress, aber auch Freude im Heilungsprozess?

Emotionen beeinflussen das Befinden der Kinder stark. Wenn Eltern Angst haben und Stress zeigen, verstärken sich definitiv Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Bauchschmerzen. Die Kinder werden verschlossener und nehmen viel mehr in sich auf. Man merkt direkt, dass es ihnen bspw. bei einer Chemotherapie schlechter geht, wenn die Stimmung im Zimmer angespannt ist. Zeigt man dagegen Freude und Spaß, lösen sich diese Spannungen – die Patienten sind mobiler, zugewandter, lächeln mehr und spüren die Unannehmlichkeiten weniger. Clownvisiten wirken wie kleine Unterbrechungen des Krankenhausalltags. Sie helfen den Kindern, aus ihrem Gedankenkarussell auszubrechen. Oft haben sie das Gefühl, sie dürften eigentlich nicht lachen, weil gerade der Überlebenskampf im Vordergrund steht. Doch dann kommen die Clowns, bringen Freude und Sonnenschein – und für einen Moment ist alles wie weggeblasen. Das macht den Alltag ein Stück leichter. Wenn man die Station mit Humor füllt und positive Stimmung verbreitet – auch im Team –, spiegelt sich das sofort bei Kindern und Eltern wider. Es ist ansteckend. Natürlich müssen sie die Situation weiterhin ertragen, aber ein humorvoller Umgang
macht vieles ein Stück leichter, egal in welchem Setting. 

Wie werden Clowns auf der Station wahrgenommen? 

Ich bin ein Mensch, der für Humor geboren ist. Deshalb bin ich den Clowns gegenüber immer positiv eingestellt und überzeugt, dass sie genau wissen, was sie tun. Doch gerade erfahrene Pflegekräfte wie ich sind womöglich anders geprägt. Ich habe das Gefühl, wir sind in dieser Hinsicht oft etwas positiver eingestellt als manche Jüngere. Vielleicht, weil Clowns früher selbstverständlicher Teil der Kindheit waren. Ich weiß nicht, ob jüngere Generationen mit dem Begriff oder dem Bild eines Clowns heute noch genauso viel verbinden. Vielleicht wirkt es für manche sogar fremd? Eltern jüngerer Kinder sind da ganz offen und auch die Kleineren selbst finden das alles super. Bei Eltern von Jugendlichen erleben wir dagegen häufiger Skepsis. Oft heißt es, ihr Sohn/ihre Tochter möge das nicht. Zudem kommt, dass Eltern auf der Onkologie-Station ihren Kindern wenig Freiraum lassen, unabhängig vom Alter. Dabei brauchen gerade Jugendliche diesen Freiraum besonders. Ich glaube, dass viele Jugendliche nochmal eine offenere Einstellung den Clowns gegenüber hätten, wenn sie freier wären und nicht ständig ihre Angehörigen dabei wären. Oft hilft es, die Perspektive zu wechseln: Es geht nicht darum, ob es einem selbst
gefällt. Man sollte sich in die Patienten und Angehörigen hineinversetzen – in ihren Alltag und in das, was Humor in diesem Moment für sie bedeuten kann.

Gibt es auch Situationen, wo es vielleicht nicht so sinnvoll ist oder wo es besonders heikel ist? 

Bei uns ist das immer ein Zwiespalt. Gerade in heiklen Situationen auf der Kinderonkologie, zum Beispiel in palliativen Fällen, neigt man manchmal dazu, von vornherein zu sagen: „Da würde ich nicht reingehen.“ Ich bin aber der Meinung: Wenn wir einen jugendlichen Patienten haben, der mit Humor groß geworden ist, bei dem immer ein Schalk im Nacken saß und der jetzt vielleicht palliativ ist, frage ich mich: Warum nicht? Was würde ich mir in dieser Situation wünschen? Auch wenn es für Außenstehende vielleicht makaber klingt – warum sollte dieser Patient nicht auch auf seinem letzten Lebensweg noch Spaß haben wollen? Da kommt natürlich das Ethische ins Spiel: Von außen sieht es vielleicht falsch aus, aber warum eigentlich nicht? Das hinterfrage ich immer. Oft bremsen wir uns selbst und sagen: „In dem Zimmer wäre es schlecht.“ Aber ich frage mich eher: Ist es wirklich schlecht, oder sollte man vielleicht noch einmal darüber nachdenken? 

Deine schönste Erinnerung in Zusammenhang mit den RN-Einsätzen?

Was mir wirklich Gänsehaut verursacht hat, war, als wir zum 10-jährigen Jubiläum eine Humorurkunde auf der Station bekommen haben. Clowns Leofino und Emma Dilemma haben uns ein kleines Ständchen gesungen. Das war so rührend und gleichzeitig witzig: Einfach kurz etwas rauszuhauen, um uns Danke zu sagen, weil sie dankbar sind, ihre Arbeit bei uns machen zu dürfen. Auf der Station, im Zentrum, in ihren Clownskostümen, die riesigen Schuhe, die kleine Gitarre, sie haben gesungen –es war einfach zum Piepen.

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