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Frau M. und die Zeit

15.Oktober 2019
  • Senioren

Wir, Stefanello und GoGo, sind im Seniorenheim unterwegs. Es gibt Tage, da steigt man als Clown wie durch Watte. Und es gibt Tage wie diesen, an dem alle hellwach sind. Wir glauben den Grund zu wissen: Die Bewohner haben am Tag zuvor einen gemeinsamen Ausflug zum See unternommen. Jetzt sind sie richtig durchgelüftet. Wir erfreuen uns an den offenen Begegnungen.

 

(c)Gregor Zielke

Ganz zum Schluss sitzen wir mit Frau M. auf einer Bank. Sonst klopft Frau M. immer mit den Fingern einen Rhythmus auf die Bank oder auf den Tisch vor ihr und sagt: „ACHTACHTACHT“. Heute sitzt sie hier bei uns und ist völlig präsent. Sie erklärt uns, dass es für sie nicht so einfach ist, sich zurechtzufinden. GoGo antwortet: „Ja, ohne Stefanello wäre ich hier aufgeschmissen, an dem halte ich mich fest“. Frau M. schaut interessiert: „Aber er sich doch genauso an dir!“ GoGo blickt erstaunt mich, Stefanello, an. Ich nicke. Kurz freuen wir uns, dass wir einander haben. So sitzen wir hier. Frau M. sagt: „Nur die Zeit, die Zeit die nicht vorbei geht“. GoGo erwidert: „Gut, dass wir es jetzt so schön zusammen haben“. Wir drei nicken. Sitzen da, aufeinander angewiesen, voneinander beschenkt. Staunen über die philosophischen Gedanken, die unter der „ACHTACHTACHT“ liegen.

Nach solchen Visiten gehe ich ein bisschen weiser nach Hause. Dankbar für die Zeit, die wir mit lieben Menschen teilen.

Aufgeschrieben von Stefan Palm/ Stefanello.

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